Oberbergs Unternehmerinnen vernetzen sich

Zu einem etwas anderen Speed-Dating hatte das Netzwerk formel f in die Tanzschule Backstage nach Dieringhausen geladen: Etwa 30 Frauen stellten sich und ihr Unternehmen in einer etwas anderen Umgebung vor. Bereits seit 2006 ist das Unternehmerinnen-Netzwerk formel f im Oberbergischen aktiv. Damals gegründet von acht Frauen, kümmern sich heute die Lindlarerin Astrid Althoff und die Wiehlerin Patricia Haarmann um die Belange der Frauen.
Sep 2013 Speeddating by Simone Hawellek
Das Angebot von formel f könnte nicht vielfältiger sein: Zweimal im Jahr findet ein sogenanntes Business-Speed-Dating statt. Einmal im Jahr treffen sich rund 150 Unternehmerinnen zur Wirtschafts-Lounge. Althoff und Haarmann stehen in der Gründungsphase zur Seite und haben im Frühjahr die formel f-Akademie gegründet. „Wir haben im Oberbergischen so viel Fachkompetenz. Da möchten wir einfach etwas von weitergeben“, so Althoff. Noch in diesem Jahr finden gleich vier Seminare zu unterschiedlichen Themen statt.
In 2014 sollen die Seminare durch Fachforen ergänzt werden. Haarmann: „Hier wird einen Abend über ein ganz bestimmtes Thema gesprochen. Das sind aber keine Werbeveranstaltungen, sondern Weiterbildungsmaßnahmen für die Unternehmerinnen.“ Das Ziel, dass die beiden mit der formel f-Akademie verfolgen, liegt auf der Hand: Die oberbergischen Unternehmerinnen sollen weitergebildet werden und Tipps zur effektiven Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen bekommen.
Im Vordergrund bei der Arbeit von formel f steht aber die Vernetzung untereinander. Althoff: „Wenn wir unseren Newsletter, der alle zwei Monate erscheint, rausschicken, dann erreichen wir 600 Frauen.“ Die Frauen hinter formel f: Patricia Haarmann (links) und Astrid Althoff.Ein Drittel seien Kleinstunternehmerinnen, ein weiteres Drittel Mittelständlerinnen mit zehn bis 15 Mitarbeitern. Das letzte Drittel bestehe aus Geschäftsführerinnen und Entscheidungsträgerinnen, die hohe Summen transferieren. Die Frauen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, finden aber immer wieder neue Ansätze, um mit anderen eine Kooperation einzugehen.
Aber wie kommen diese Kooperationen zustande? Eine sehr gute Möglichkeit bietet da das sogenannte Business-Speed-Dating. Ein solches fand gestern unter dem Motto „Ein Blick hinter die Kulissen“ im Backstage-Tanzstudio in Gummersbach-Dieringhausen statt.
Astrid Althoff informierte über die gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung – vertreten durch Wilfried Holberg.
Der Einladung von formel f waren etwa 30 interessierte Frauen gefolgt, die von Eva Schmidt (Inhaberin des Tanzstudios) herzlich begrüßt wurden. Gleichzeitig konnte sie auch einen Mann begrüßen: Wilfried Holberg von der Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises, mit der das Netzwerk sehr eng zusammenarbeitet, war gekommen, um den Damen die Angst vor dieser Einrichtung zu nehmen. Holberg: „Wir sind immer für Sie da. Egal, ob Sie eine Existenz gründen möchten, oder schon länger im Geschäft sind, aber verschiedene Fragen haben. Bitte, bitte kommen Sie und nutzen Sie unser Angebot.“ Dies gelte im Speziellen auch für mögliche Fördergelder.
Bevor es aber mit dem Speed-Dating los ging, informierten Eva Schmidt, Sabine Westerink (Curves Fitnessstudio), Susanne Schaefer-Falkenhain (Ayurvedatherapeutin und Yogalehrerin) und Ute Elgün (Inhaberin eines Dessous-Geschäfts in der Gummersbacher Innenstadt) über ihre Kooperation. Schaefer-Falkenhain bietet zum Beispiel verschiedene Kurse in den Räumlichkeiten der Tanzschule an. Im Oktober steht ein ayurvedischer Workshop statt, der Tanz und ayurvedische Ernährung verbindet. Eine Brustkrebs-Aktion wird noch in diesem Jahr im angrenzenden Fitnessstudio „Curves“ stattfinden. Hier kooperiert das Studio mit Ute Elegün, die verschiedene BHs ausstellen wird.

Sabine Westerink (links) und Eva Schmidt kooperieren bereits.Nach einem kurzen Rundgang durch beide Räumlichkeiten wurde dann das Speed-Dating gestartet. In Vierergruppen hatten die Unternehmerinnen dann die Möglichkeit, sich zwölf Minuten lang zu präsentieren. Dabei wurden die jeweiligen Alleinstellungsmerkmale, die zuvor in einer Kurzvorstellung angesprochen wurden, genauer dargelegt. In weiteren vier Minuten sollte dann überlegt werden, welche Personen man gemeinsam kennt. „Denn: wir Frauen machen einfach anders Geschäfte als Männer. Bei uns läuft viel mehr über die emotionale Schiene. Und da gehören gemeinsame Bekannte einfach dazu“, so Althoff über den Sinn dieser Arbeitsweise. In weiteren vier Minuten hatten die Beteiligten dann die Möglichkeit, eventuelle Kooperationen einzuladen.
Und genau dies wurde so richtig spannend. Zum Speed-Dating waren Frisörinnen, Kosmetikerinnen, Sängerinnen, Buchhalterinnen, Sekretärinnen, Immobilienmaklerinnen, Unternehmensberaterinnen oder auch Mitarbeiterinnen eines Reisebüros gekommen.
Dorothee Dörmbach war zum ersten Mal dabei und direkt begeistert. Sie bietet Kurse zum Gedächtnistraining an. „Ich möchte das auch für Unternehmen anbieten, aber die Kaltakquise ist nichts für mich. Hier herrscht eine fast familiäre Stimmung, die mir das Ansprechen viel einfacher macht“, war die Lindlarerin begeistert.
Gabi Bienewald fotografiert aus Leidenschaft. Diese Leidenschaft möchte sie gerne als Nebentätigkeit ausüben und kann sich nach dem gestrigen Abend über einige Fototermine freuen – unter anderem soll eine Fotostrecke für und mit dem Backstage-Tanzstudio in Angriff genommen werden. Besonders interessant war allerdings, dass sich eine Zusammenarbeit zwischen einem Reisebüro und einem Bio-Catering-Service anbahnt.
Wer keine ersten Bande für eine mögliche Vernetzung knüpfen konnte, war nicht traurig. „Wir haben heute wieder viele nette und interessante Frauen kennengelernt“, freute sich Marion Müller über die große Resonanz des Speed-Datings. Für die Kosmetikerin steht: Beim nächsten Business-Speed-Dating ist sie wieder mit dabei!